Abstract
Der vorliegende Text untersucht die Relevanz der monumentalen „Sphären“-Trilogie des Philosophen Peter Sloterdijk für die Analyse der Gegenwartsgesellschaft. Angesichts tiefgreifender Transformationen durch Digitalisierung, Globalisierung und ökologische Krisen bietet Sloterdijks Sphärologie ein heuristisch wertvolles Instrumentarium, um die komplexen Dynamiken moderner Lebenswelten zu deuten. Die Arbeit zeichnet die Entwicklung von der Mikrosphärologie der intimen „Blasen“, über die Makrosphärologie totalisierender „Globen“ bis hin zur Polysphärologie der postmodernen „Schäume“ nach. Diese drei Modi der Sphärenbildung dienen als analytischer Rahmen, um aktuelle Phänomene wie soziale Fragmentierung in digitalen Echokammern, die Erosion nationalstaatlicher Souveränität und neue Formen der immunologischen Abgrenzung in Politik und Gesellschaft zu verstehen. Der Aufsatz argumentiert, dass Sloterdijks Denken, insbesondere sein Konzept des „Schaums“, eine präzise Diagnose der fragmentierten Koexistenzen liefert, die das postmoderne Leben prägen. Durch die Anwendung der Sphären-Theorie auf konkrete Anwendungsfelder wird deren Erklärungspotenzial für eine zeitgenössische Soziologie und Kulturtheorie herausgearbeitet und kritisch gewürdigt. Ziel ist es zu zeigen, wie Sloterdijks raumanalytischer Ansatz es ermöglicht, die impliziten räumlichen und atmosphärischen Bedingungen menschlicher Existenz offenzulegen und die Logiken der Inklusion und Exklusion in der vernetzten Welt des 21. Jahrhunderts neu zu beleuchten. /dr2jo
1. Einleitung
Die Gegenwartsgesellschaft ist durch eine Reihe tiefgreifender und sich überlagernder Transformationsprozesse gekennzeichnet. Phänomene wie die fortschreitende Digitalisierung, die Ambivalenzen der Globalisierung, politische Polarisierung und die existenziellen Herausforderungen der Umweltkrise stellen etablierte Analysekategorien der Sozial- und Kulturwissenschaften vor erhebliche Herausforderungen. In diesem Kontext erweist sich das philosophische Werk von Peter Sloterdijk, insbesondere seine zwischen 1998 und 2004 erschienene „Sphären“-Trilogie, als eine außerordentlich fruchtbare, wenngleich kontroverse Ressource für eine zeitgenössische Gesellschaftsdiagnose (Elden, 2012). Sloterdijk selbst versteht seine Sphärologie als einen Versuch, das Sein des Menschen von seiner fundamentalsten Bedingung her zu denken: dem In-Sphären-Sein (Ernste, 2018). Der Mensch ist, so die Kernthese, niemals ein isoliertes Subjekt, sondern existiert immer schon in geteilten, ihn umgebenden und schützenden Räumen – den Sphären.
Dieser Text unternimmt den Versuch, die systematische Relevanz der Sphären-Theorie für die Analyse aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen herauszuarbeiten. Sloterdijks Denken wird dabei nicht als abgeschlossenes System rezipiert, sondern als ein analytisches Instrumentarium, das es ermöglicht, die Logiken der Inklusion, der Exklusion und der Koexistenz in der Spätmoderne auf neue Weise zu beleuchten. Die zentrale Fragestellung lautet: Inwiefern kann Sloterdijks Trilogie von „Blasen“, „Globen“ und „Schäumen“ dazu beitragen, die komplexen und oft paradoxen Dynamiken der heutigen Gesellschaft – von der Intimität digitaler Beziehungen bis hin zu globalen Krisenphänomenen – besser zu verstehen?
Sloterdijk bricht mit der traditionellen philosophischen Fokussierung auf das Individuum oder die Zeit und rückt stattdessen den Raum ins Zentrum seiner Überlegungen. Er entwickelt eine Philosophie der Ko-Existenz, die den Menschen als ein Wesen begreift, das stets „Mit-Seiende“ in einem gemeinsamen „atem-baren“ Raum ist (Sutherland, 2017). Dieser raumanalytische Ansatz (Stoneman, 2021) erweist sich als besonders produktiv, um Phänomene zu fassen, die sich einer rein soziologischen oder politologischen Analyse entziehen. Die Sphären sind für Sloterdijk nicht nur physische Räume, sondern psycho-soziale, immunologische und atmosphärische Gefüge, die dem menschlichen Leben Halt und Form geben. Sie sind die „Gewächshäuser“, in denen menschliches Leben kultiviert wird.
Um das Erklärungspotenzial der Sphärologie zu entfalten, wird die Arbeit zunächst die theoretischen Grundlagen der drei Bände der Trilogie systematisch darlegen. Der erste Band, „Blasen“, widmet sich der Mikrosphärologie der dyadischen Intimität. Der zweite Band, „Globen“, entfaltet eine Makrosphärologie der totalisierenden Weltentwürfe, die von der antiken Metaphysik bis zum modernen Nationalstaat reichen. Der dritte und für die Gegenwartsanalyse entscheidende Band, „Schäume“, diagnostiziert die postmoderne Verfasstheit der Gesellschaft als eine fragmentierte Koexistenz multipler, sich überlagernder Lebenswelten.
Im Anschluss an die theoretische Grundlegung werden die Konzepte auf konkrete Anwendungsfelder der Gegenwartsanalyse übertragen. Dabei wird gezeigt, wie die Digitalisierung die Bildung neuer „Blasen“ und „Schäume“ vorantreibt, wie die Globalisierung die alten „Globen“ erodiert und wie politische sowie ökologische Krisen als immunologische Herausforderungen für gefährdete Sphären interpretiert werden können. Die Arbeit wird argumentieren, dass Sloterdijks Denken, trotz seiner oft provokanten und essayistischen Form, eine kohärente und tiefgreifende Theorie sozialer Räume bietet, die für eine kritische Analyse der Gegenwart unverzichtbar ist (Couture, 2016). Es geht darum, Sloterdijks Beitrag nicht nur als philosophische Spekulation, sondern als praxistaugliches Analysewerkzeug für die Soziologie, die Medienwissenschaft und die politische Theorie zu erschließen.
2. Theoretische Grundlagen: Sloterdijks Sphärologie
Peter Sloterdijks „Sphären“-Trilogie stellt den Versuch dar, eine umfassende Theorie der menschlichen Koexistenz zu formulieren, indem sie den Raum als primäre Kategorie menschlichen Daseins etabliert. Die traditionelle Ontologie, die sich auf das Sein des Einzelnen konzentriert, wird durch eine „allgemeine Sphärologie“ ersetzt, die den Menschen als ein Wesen begreift, das sein Leben prinzipiell in geteilten, ihn umgebenden und schützenden Räumen entfaltet. Diese Räume sind mehr als bloße geometrische Behälter; sie sind psycho-soziale „Innenwelten“, immunologische Schutzsysteme und atmosphärische Milieus, die das Zusammenleben erst ermöglichen. Sloterdijk argumentiert, dass das eigentliche Geheimnis des Menschen nicht in seiner Individualität, sondern in seiner Fähigkeit liegt, „Innenräume“ zu schaffen und zu bewohnen (Ernste, 2018). Die Trilogie gliedert sich in drei Teile, die jeweils eine spezifische Form und Dimension der Sphärenbildung untersuchen: die Mikrosphärologie der „Blasen“, die Makrosphärologie der „Globen“ und die Polysphärologie der „Schäume“. Diese drei Modi repräsentieren unterschiedliche historische und existenzielle Logiken der Vergemeinschaftung und des Weltbezugs.
2.1 Die Mikrosphärologie der Blasen: Intimität und dyadische Existenz
Der erste Band der Trilogie, „Blasen“, legt das Fundament für die gesamte Sphärologie, indem er die kleinste und ursprünglichste Form der Sphäre analysiert: die dyadische Intimsphäre. Sloterdijk beginnt seine Untersuchung nicht beim erwachsenen, autonomen Subjekt, sondern bei der primären Verbundenheit, die das menschliche Leben von Anbeginn prägt. Die grundlegendste Blase ist die Beziehung zwischen Mutter und Fötus im Uterus, eine proto-soziale Zwei-Einheit, die als Modell für alle späteren Formen der intimen Verbundenheit dient. Diese ursprüngliche Erfahrung der „in-klusiven“ Existenz, des Seins-im-Anderen, hinterlässt eine lebenslange Sehnsucht nach Resonanz und Geborgenheit.
Für Sloterdijk ist der Mensch ein Wesen, das aus einer dyadischen Einheit „herausfällt“ und sein Leben lang versucht, diese verlorene Intimität durch die Bildung neuer Sphären zu kompensieren. Die „Blase“ ist somit die Grundform aller menschlichen Sozietät, eine „psycho-akustische“ und „atmosphärische“ Resonanzkammer, in der sich mindestens zwei Pole aufeinander einstimmen. Beispiele für solche Blasen sind Liebespaare, enge Freundschaften oder die intensive Beziehung zwischen einem Meister und seinem Schüler. Sie sind durch ein hohes Maß an Exklusivität, wechselseitiger Spiegelung und geteilter Innenwelt gekennzeichnet. In diesen Mikrosphären findet die primäre Immunisierung des Individuums statt. Sie bieten Schutz vor der überwältigenden Komplexität und Anonymität der Außenwelt, indem sie einen verlässlichen Raum der Zugehörigkeit und des Vertrauens schaffen.
Sloterdijk beschreibt diese intimen Räume als „magische Zirkel“, in denen die Partner füreinander zur geteilten Umwelt werden. Die Kommunikation innerhalb der Blase ist oft nonverbal, intuitiv und affektiv. Es geht um das Teilen eines gemeinsamen „Atems“, einer gemeinsamen „Stimmung“. Diese Analyse der dyadischen Existenz stellt eine radikale Kritik am philosophischen Subjektivismus dar, der das Individuum als primäre und autarke Einheit setzt. Sloterdijk zeigt, dass das „Ich“ erst durch das „Du“ und die gemeinsame Sphäre, die sie bilden, konstituiert wird. Die Existenz ist von Grund auf eine „Ko-Existenz“, ein Mit-Sein, das in intimen Blasen seinen Ursprung hat (Sutherland, 2017). Diese mikrosphärologische Perspektive ist fundamental, da sie zeigt, wie selbst die komplexesten sozialen Gebilde letztlich auf der menschlichen Fähigkeit zur Bildung intimer, schützender Innenräume basieren.
2.2 Die Makrosphärologie der Globen: Totalisierende Weltentwürfe
Während „Blasen“ die intimen Dyaden analysiert, widmet sich der zweite Band, „Globen“, den großräumigen, totalisierenden Sphären, die ganze Kulturen, Reiche und Zivilisationen umfassen. Die „Globen“ sind Sloterdijks Begriff für jene metaphysischen, kosmologischen und politischen Weltentwürfe, die den Anspruch erheben, die Gesamtheit der Wirklichkeit in einer einzigen, perfekten Kugelform abzubilden und zu beherbergen. Sie stellen den Versuch dar, die fragile und plurale Welt der Blasen in einem allumfassenden, sinnstiftenden Horizont zu integrieren und zu immunisieren.
Sloterdijk verfolgt die Geschichte dieser Makrosphären von den kosmologischen Modellen der griechischen Antike, in denen die Welt als geordneter Kosmos in Form einer Kugel gedacht wurde, bis hin zu den theologischen Weltbildern des Mittelalters, in denen Gott das Universum als eine umfassende Sphäre umschließt (Dijk, 2018). Diese metaphysischen Globen boten den Menschen eine ontologische Sicherheit, einen festen Platz in einer geordneten und sinnvollen Welt. Sie schufen einen universalen „Innenraum“, der die Menschheit vor dem Chaos und der Kontingenz des „Draußen“ schützte.
Mit dem Anbruch der Neuzeit und dem Zeitalter der Entdeckungen beginnt laut Sloterdijk die Epoche der „terrestrischen Globalisierung“. Die metaphysischen Globen werden durch einen neuen, realen Globus ersetzt: die Erde selbst. Die Entdeckung der Kugelgestalt der Erde und die Möglichkeit ihrer vollständigen Umschiffung markieren einen Wendepunkt. Dieser Prozess der Globalisierung, den Sloterdijk als die „Entzauberung der großen Kugel“ beschreibt, führt zur Zerstörung der alten, schützenden Weltbilder. An ihre Stelle treten neue Versuche, totalisierende Makrosphären zu errichten, wie etwa der moderne Nationalstaat, das Imperium oder universalistische Ideologien wie der Kommunismus oder der Kapitalismus. Diese politischen und ökonomischen „Globen“ versuchen, eine kollektive Identität zu stiften und einen homogenen, immunisierten Raum für eine große Gemeinschaft zu schaffen (Lemmens, 2015). Sie versprechen Schutz und Ordnung im Tausch gegen die Unterordnung unter ein gemeinsames Zentrum. Der Globus ist somit immer auch ein Herrschaftsinstrument, das durch die Definition eines allumfassenden Innenraums zugleich ein Außen konstituiert und Exklusionsmechanismen etabliert. Sloterdijks Analyse zeigt, dass die Geschichte der Menschheit als eine Geschichte der Errichtung und des Zerfalls solcher großräumigen Sphären gelesen werden kann.
2.3 Die Polysphärologie der Schäume: Fragmentierte Koexistenzen der Postmoderne
Der dritte Band, „Schäume“, liefert Sloterdijks Diagnose der postmodernen Gesellschaft und stellt den Höhepunkt seiner sphärologischen Analyse dar. Wenn die metaphysischen und politischen „Globen“ ihre integrierende Kraft verlieren und zerfallen, entsteht kein leerer Raum, sondern eine neue, komplexe und fragmentierte Form der Koexistenz: der „Schaum“. Der Schaum ist Sloterdijks Metapher für die heutige Weltgesellschaft, die nicht mehr durch einen einzigen, allumfassenden Horizont zusammengehalten wird, sondern aus einer Vielzahl von miteinander verbundenen, sich überlagernden und voneinander abgegrenzten Einzelsphären – den „Blasen“ oder „Zellen“ des Schaums – besteht (Stoneman, 2021).
Ein Schaum ist ein Aggregat von Blasen, die sich aneinanderlagern, durch dünne Wände (Membranen) voneinander getrennt sind, aber dennoch ein zusammenhängendes, wenn auch fragiles Gebilde formen. Diese Metapher beschreibt präzise die Struktur der postmodernen Gesellschaft: Sie besteht aus unzähligen Lebenswelten, Subkulturen, sozialen Milieus, Online-Communities und Nischengesellschaften, die nebeneinander existieren, ohne einem gemeinsamen Zentrum oder einer übergreifenden Erzählung verpflichtet zu sein. Jede einzelne Blase im Schaum bildet ihre eigene kleine Welt, ihr eigenes Immunsystem und ihre eigene „Atmosphäre“. Die Individuen leben nicht mehr in der einengroßen Welt (dem Globus), sondern bewegen sich zwischen verschiedenen, oft unverbundenen Mikrowelten.
Die Existenz im Schaum ist durch eine paradoxe Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz, von Konnektivität und Isolation gekennzeichnet. Die einzelnen Zellen sind zwar miteinander verbunden, aber ihre Innenräume bleiben getrennt. Diese „ko-isolierte“ Existenzform ist charakteristisch für das moderne Leben, insbesondere in den urbanen Ballungsräumen, die Sloterdijk als architektonische Schaumgebilde beschreibt („Apartment-Häufungen“). Die Polysphärologie der Schäume ist somit eine Theorie der sozialen Fragmentierung (Lucci, 2022). Sie erklärt, warum in einer global vernetzten Welt gleichzeitig Phänomene der Partikularisierung, der Identitätspolitik und des Rückzugs in die eigene Echokammer zu beobachten sind. Die Auflösung der großen, verbindlichen Narrative der Globen führt nicht zur Befreiung des atomisierten Individuums, sondern zur Neukonfiguration des Sozialen in Form von multiplen, fragilen und oft konkurrierenden Sphärenagglomerationen. Die zentrale Herausforderung des Lebens im Schaum besteht darin, die eigene Lebenssphäre zu gestalten und zu immunisieren, während man gleichzeitig mit der unübersehbaren Pluralität anderer Sphären konfrontiert ist. Dieses Modell bietet einen leistungsfähigen Rahmen, um die komplexen und widersprüchlichen Strukturen der Gegenwartsgesellschaft zu analysieren.
3. Anwendungsfelder der Sphären-Theorie in der Gegenwartsanalyse
Peter Sloterdijks Sphären-Trilogie entfaltet ihre analytische Kraft nicht nur als philosophische Anthropologie, sondern erweist sich insbesondere als ein vielschichtiges Instrument zur Deutung gegenwärtiger gesellschaftlicher Transformationen. Die Metaphern der Blasen, Globen und Schäume bieten einen heuristischen Rahmen, um komplexe Phänomene wie die Digitalisierung, die Globalisierung, politische Krisen, die ökologische Frage und die urbane Entwicklung neu zu fassen. Indem Sloterdijk den Fokus auf die konstitutive Bedeutung von Räumen, Atmosphären und Immunsystemen für die menschliche Existenz legt, ermöglicht er eine Analyse, die über traditionelle soziologische und politikwissenschaftliche Ansätze hinausgeht. Die Sphärologie fungiert hierbei als ein Vergrößerungsglas, das die verborgenen räumlichen und immunologischen Logiken sichtbar macht, die den sozialen Wandel in der Spätmoderne prägen. In den folgenden Abschnitten werden zentrale Anwendungsfelder seiner Theorie ausgelotet, um deren Erklärungspotenzial für die Analyse der Gegenwartsgesellschaft systematisch zu erschließen. Dabei wird gezeigt, wie die Konzepte der Mikrosphären, Makrosphären und Polysphären helfen, die Dynamiken von Fragmentierung, Vernetzung, Exklusion und Koexistenz in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu verstehen.
3.1 Digitalisierung und soziale Fragmentierung: Das Leben in digitalen Schäumen
Die Digitalisierung hat die Strukturen menschlicher Koexistenz fundamental verändert und beschleunigt jenen Prozess, den Sloterdijk als Übergang von der Ära der Globen zur Epoche der Schäume beschreibt. Das Internet und die darauf basierenden sozialen Medien fungieren als technologische Katalysatoren für die Bildung unzähliger, sich überlagernder und oft nur lose miteinander verbundener Kommunikationsräume. Diese digitalen Sphären weisen eine bemerkenswerte strukturelle Ähnlichkeit mit Sloterdijks Schaum-Metapher auf: Sie sind modular, zellular und durch dünne, aber wirksame Membranen voneinander getrennt. Jede Online-Community, jedes soziale Netzwerk und jede themenspezifische Plattform kann als eine einzelne Zelle oder “Blase” innerhalb eines größeren, amorphen Schaumgebildes verstanden werden.
Diese Entwicklung führt zu einer paradoxen Situation. Einerseits ermöglicht die digitale Vernetzung eine nie dagewesene globale Konnektivität, die prinzipiell jeden mit jedem verbinden kann. Andererseits fördert sie eine tiefgreifende soziale Fragmentierung. An die Stelle großer, integrativer Öffentlichkeiten, die man als moderne Äquivalente der Globen verstehen könnte, treten partikulare Nischenöffentlichkeiten. In diesen digitalen “Echokammern” und “Filterblasen” zirkulieren spezifische Narrative, Wertesysteme und Informationen, die durch algorithmische Personalisierung verstärkt werden. Die technologische Infrastruktur digitaler Plattformen begünstigt die Kultivierung individualisierter Mikrosphären, in denen Nutzer primär mit Inhalten konfrontiert werden, die ihre bestehenden Überzeugungen bestätigen.
Diese algorithmisch kuratierten Realitäten fungieren als moderne Formen der Immunisierung. Sie schützen das Individuum vor kognitiver Dissonanz und dem Kontakt mit fremden oder störenden Perspektiven, führen jedoch gleichzeitig zu einer Erosion des gemeinsamen Erfahrungsraumes. Die Membranen zwischen den digitalen Blasen werden dicker, der Austausch zwischen den verschiedenen Schaumkammern wird erschwert, und das gesellschaftliche Ganze zerfällt in eine Ansammlung von “ko-isolierten” Monaden. Diese Fragmentierung ist nicht nur ein Nebeneffekt, sondern ein konstitutives Merkmal der digitalen Gesellschaft, deren Machtdynamiken und Herausforderungen bestehende politische Rahmenwerke oft überfordern (Ragnedda, 2022). Die Komplexität der entstehenden digitalen Datenströme und ihre lose Verknüpfung untereinander spiegeln diese strukturelle Zersplitterung wider und erschweren eine integrierte Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen (…, 2023).
Die Sloterdijk’sche Perspektive ermöglicht es, diese Entwicklung nicht nur als technologischen oder soziologischen, sondern als existenziellen Wandel zu begreifen. Das Leben in digitalen Schäumen verändert die grundlegende Verfasstheit des In-der-Welt-Seins. Das Subjekt konstituiert seine Identität zunehmend innerhalb dieser selbstgewählten oder algorithmisch zugewiesenen Sphären. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten digitalen Blase wird zu einem zentralen identitätsstiftenden Merkmal. Gleichzeitig führt die Pluralität der Schäume dazu, dass Individuen oft Teil mehrerer, sich überschneidender Sphären sind, was zu einer fragmentierten oder “multiplen” Identität führen kann. Die Herausforderung besteht darin, zwischen diesen verschiedenen Welten zu navigieren, ohne den Bezug zu einer übergeordneten, geteilten Realität zu verlieren. Die zunehmende soziale Ungleichheit, die sich auch in Form einer digitalen Kluft manifestiert, verschärft diese Problematik, da der Zugang zu und die Kompetenz im Umgang mit diesen digitalen Welten ungleich verteilt sind und somit neue Formen der Exklusion schaffen (Sá, 2021). Die Sphären-Theorie bietet somit einen präzisen analytischen Rahmen, um die Ambivalenz der Digitalisierung zu fassen: als eine Kraft, die zugleich verbindet und trennt, die neue Formen der Gemeinschaft ermöglicht und gleichzeitig die Grundlagen für einen breiten gesellschaftlichen Konsens untergräbt.
3.2 Globalisierung als Schaumbildung: Die Erosion der Globen
Die Globalisierung, verstanden als Prozess zunehmender weltweiter Vernetzung in Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation, stellt eine der zentralen Herausforderungen für die klassischen Weltordnungsmodelle dar. In der Sprache Sloterdijks lässt sich dieser Prozess als eine fundamentale Erosion der “Globen” deuten. Die großen, totalisierenden und identitätsstiftenden Makrosphären – allen voran der souveräne Nationalstaat, aber auch umfassende ideologische oder religiöse Weltentwürfe – verlieren ihre Fähigkeit, die Realität vollständig zu umfassen und zu strukturieren. Ihre einst soliden Hüllen werden porös, ihre Grenzen durchlässig für transnationale Ströme von Kapital, Informationen, Menschen und Gütern.
Entgegen der frühen Globalisierungsthese, die eine homogene “Weltgesellschaft” oder ein “globales Dorf” prognostizierte – was einer Ersetzung der nationalen Globen durch einen einzigen, umfassenden Super-Globus gleichkäme –, zeigt die Realität ein weitaus komplexeres Bild. Die Globalisierung führt nicht zu einer Uniformierung, sondern zu einer gleichzeitigen Dynamik von Integration und Desintegration, von Vernetzung und Fragmentierung (Milašinović, 2005). Sloterdijks Schaum-Metapher erweist sich hier als besonders treffend, um diese widersprüchliche Entwicklung zu beschreiben. Die Weltgesellschaft konstituiert sich nicht als einheitliche Kugel, sondern als ein Konglomerat aus unzähligen, miteinander verbundenen, aber dennoch distinkten Sphären.
Dieser Prozess wird durch verschiedene Autoren unterstrichen, die von einer zunehmenden Fragmentierung auf globaler Ebene sprechen (Fuchs, 2007). Die Weltpolitik ist durch eine zersplitterte Sozialstruktur gekennzeichnet, die eine einfache Globalisierungsdebatte unterläuft (Beckfield, 2010). Die Macht verlagert sich von zentralisierten staatlichen Akteuren hin zu dezentralen, transnationalen Netzwerken, die eine neue räumliche Dynamik im Informationszeitalter erzeugen (Castells, 2010). Diese Netzwerkgesellschaft ist geprägt von einer Koexistenz globaler Verbindungen und lokaler Fragmentierungen. An die Stelle der homogenen nationalen Kultur treten transnationale kulturelle Ströme, die gleichzeitig zu einer “Retribalisierung” und zur Bildung neuer, partikularer Identitäten führen können (Crane, 2008).
Ein Schlüsselkonzept zum Verständnis dieser Dynamik ist die “Glokalisierung” (Arkhipov, 2021). Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass globale Prozesse stets lokal eingebettet und interpretiert werden. Globale Netzwerke artikulieren sich mit territorialen Produktionssystemen und sozialen Kontexten, was zu einer zunehmenden Differenzierung und Fragmentierung auf allen räumlichen Ebenen führt (Swyngedouw, 2004). Anstatt einer globalen Homogenisierung erleben wir die Entstehung einer polyzentrischen Weltordnung, in der eine Vielzahl von Akteuren – von multinationalen Konzernen über NGOs bis hin zu regionalen Machtzentren – um Einfluss konkurrieren.
Die Sphären-Theorie ermöglicht es, diesen Wandel nicht nur als politische oder ökonomische, sondern als eine tiefgreifende räumlich-existenzielle Transformation zu verstehen. Der Verlust der schützenden Hülle des nationalen Globus erzeugt bei vielen Menschen ein Gefühl der Desorientierung und des Schutzverlustes. Die Reaktion darauf ist oft der Versuch, neue, kleinere und überschaubarere Sphären des Schutzes und der Zugehörigkeit zu schaffen. Dies kann sich in der Wiederbelebung von Nationalismen, in regionalen Separatismen oder im Rückzug in religiöse oder ethnische Gemeinschaften manifestieren. Die Globalisierung erzeugt somit nicht nur den globalen Schaum, sondern auch das Bedürfnis nach der Stärkung der Wände der einzelnen Blasen. Die Welt nach dem Ende der Globen ist keine offene, grenzenlose Ebene, sondern ein komplexes, oft konfliktreiches Arrangement von miteinander konkurrierenden und koexistierenden Schäumen.
3.3 Immunologie und Politik: Sphäropolitische Antworten auf Krisen
Das Konzept der Immunität ist ein zentraler Baustein in Sloterdijks Denken und durchzieht die gesamte Sphären-Trilogie. Er versteht Immunität nicht nur im biologischen Sinne, sondern als ein fundamentales Prinzip der Lebenssicherung. Jede Sphäre, von der intimen dyadischen Blase bis zum nationalstaatlichen Globus, ist ein Immunsystem, das eine prekäre Innenwelt vor den Übergriffen einer potenziell feindlichen Außenwelt schützt. Diese “sphäropolitische” Perspektive bietet einen äußerst produktiven Zugang zur Analyse zeitgenössischer politischer Phänomene, insbesondere im Umgang mit Krisen (Weinfurter, 2023).
Politik, so verstanden, ist die Kunst, kollektive Immunsysteme zu entwerfen, zu pflegen und zu verteidigen. Politische Debatten und Konflikte lassen sich als Auseinandersetzungen über die richtige Form der Immunisierung deuten: Wer gehört zum “Wir” des politischen Körpers und wer wird als “Fremder” oder “Eindringling” ausgeschlossen? Welche Gefahren (ökonomische Krisen, Migration, Pandemien, kulturelle Überfremdung) bedrohen die Integrität der Gemeinschaft und mit welchen Mitteln soll sie geschützt werden? Sloterdijks immunologisches Vokabular rückt die Motive von Inklusion und Exklusion ins Zentrum der politischen Analyse (Sutherland, 2019).
In der Ära der Schäume wird die politische Immunologie jedoch komplexer. Die Erosion der großen, nationalstaatlichen Globen schwächt die traditionellen kollektiven Immunsysteme. Gleichzeitig entstehen neue, fragmentierte Immungemeinschaften, die sich nicht mehr primär über nationale Zugehörigkeit, sondern über geteilte Lebensstile, politische Überzeugungen oder kulturelle Präferenzen definieren. Die politische Landschaft zerfällt in verschiedene “Schaumkammern”, die jeweils ihre eigenen Bedrohungsszenarien und Abwehrstrategien entwickeln. Dies führt zu einer Polarisierung des politischen Diskurses, in dem verschiedene Gruppen einander als existenzielle Bedrohung für ihr jeweiliges Immunsystem wahrnehmen.
Die Relevanz dieses Ansatzes zeigt sich exemplarisch in den politischen Reaktionen auf die globalen Krisen des 21. Jahrhunderts. Die Finanzkrise, die sogenannte Flüchtlingskrise oder die COVID-19-Pandemie wurden in der politischen Rhetorik häufig mit immunologischen Metaphern beschrieben (“toxische Papiere”, “Flüchtlingsströme”, “Virus-Bekämpfung”). Die politischen Antworten waren oft Versuche, die porös gewordenen Grenzen der nationalen Sphäre wieder zu schließen – sei es durch Protektionismus, Grenzzäune oder Lockdowns. Diese Maßnahmen sind Ausdruck eines “ontologischen Nativismus”, eines tiefen Bedürfnisses, eine als bedroht empfundene, autochthone Lebensform zu schützen (Sutherland, 2019).
Die zeitgenössische politische Theorie hat die Bedeutung des Immunitätskonzepts erkannt und Sloterdijks Arbeit als zentralen Beitrag zur Debatte gewürdigt (Mutsaers, 2016). Die Idee des “Homo Immunologicus” beschreibt den modernen Menschen als ein Wesen, das permanent damit beschäftigt ist, sein eigenes prekäres Dasein durch die Schaffung und Aufrechterhaltung von Schutzsphären zu sichern (Cauwer, 2017). Dieser Ansatz lässt sich auch auf die Analyse von regionalen Sicherheitsarchitekturen anwenden, die als “regionale Immunitätskomplexe” verstanden werden können, in denen Staaten versuchen, gemeinsame Schutzmechanismen zu etablieren (Weinfurter, 2023).
Sloterdijks Sphäropolitik liefert somit ein scharfes Analyseinstrument, um die affektiven und existenziellen Dimensionen der Politik zu verstehen. Sie zeigt, dass politische Auseinandersetzungen oft nicht nur rationale Interessenkonflikte sind, sondern Kämpfe um die Definition und Verteidigung von Lebenswelten. In einer globalisierten und fragmentierten Welt, in der traditionelle Schutzräume erodieren, wird die Frage nach der richtigen Form der kollektiven Immunisierung zur zentralen politischen Herausforderung.
3.4 Atmopolitik und Umweltkrise: Der bedrohte Lebensraum
Sloterdijks Denken ist von einer fundamentalen Einsicht in die Bedingtheit der menschlichen Existenz durch ihre unmittelbare Umwelt geprägt. Der Mensch ist für ihn kein körperloses Subjekt, sondern ein “atmendes Wesen”, das untrennbar mit seiner Lufthülle, seiner Atmosphäre, verbunden ist. Diese Einsicht in die “Explitizität der Immanenz” – das Bewusstsein, dass unser “In-Sein” von den Bedingungen des uns umgebenden Raumes abhängt – bildet die Grundlage seiner “Atmopolitik”. Dieser Begriff bezeichnet die politische Dimension der Gestaltung und Sicherung von Lebensatmosphären, von den intimen Klimata der Blasen bis hin zur globalen Atmosphäre des Planeten.
Im Kontext der globalen Umwelt- und Klimakrise gewinnt dieser Ansatz eine dramatische Aktualität. Die Krise des Anthropozäns ist in ihrem Kern eine atmosphärische Krise (Alagna, 2022). Menschliches Handeln hat die Zusammensetzung der globalen Atmosphäre so verändert, dass die grundlegenden Bedingungen für das Leben auf der Erde bedroht sind. Der Klimawandel ist somit die ultimative Infragestellung des geteilten Lebensraums, eine Krise des “objektiven Atmens” (Dutton, 2022). Sloterdijk argumentiert, dass das moderne Zeitalter nicht erst mit der Industrialisierung, sondern mit dem ersten Einsatz von Giftgas im Ersten Weltkrieg 1915 begann, als die Luft selbst zur Waffe und damit zum Gegenstand expliziter politischer Gestaltung wurde (Wille, 2020).
Die Atmopolitik im Anthropozän steht vor der gewaltigen Herausforderung, die globale Lufthülle als politisches Gut zu erkennen und zu verwalten. Dies erfordert die Schaffung einer “großen politischen Atmosphäre”, die über die Koexistenz von Nationalstaaten hinausgeht und ein gemeinsames Verantwortungsgefühl für den Planeten etabliert (Alagna, 2022). Sloterdijks Theorie macht deutlich, dass die ökologische Frage keine rein technische oder ökonomische, sondern eine zutiefst politische und existentielle ist. Es geht um die “Atembarkeit” der Welt und damit um die grundlegendste Form der Immunisierung: die Sicherung der physischen Voraussetzungen für das Überleben (Balen, 2021).
Die Fragmentierung der Weltgesellschaft in Schäume erweist sich hier jedoch als fundamentales Hindernis. Während die atmosphärische Krise ein globales Problem ist, das nur durch kollektives Handeln gelöst werden kann, sind die politischen Strukturen und Wahrnehmungen nach wie vor partikularistisch. Die verschiedenen “Schaumkammern” der Weltgesellschaft verfolgen unterschiedliche Interessen und entwickeln eigene Narrative zur Klimakrise. Die für eine effektive globale Atmopolitik notwendige “Ko-Immunisierung” – das heißt, die Schaffung eines gemeinsamen globalen Immunsystems gegen die ökologische Bedrohung – scheitert an der Fragmentierung der politischen Akteure und dem Unwillen, nationale oder wirtschaftliche Interessen einem globalen Ziel unterzuordnen.
Sloterdijks Anthropologie der “anthropogenen Treibhäuser” weist darauf hin, dass der Mensch seine eigenen Lebensbedingungen künstlich schafft, aber dabei oft die unbeabsichtigten und zerstörerischen Folgen seines Handelns übersieht (Balen, 2021). Die politische Herausforderung besteht darin, die Frage der “Weltoffenheit” neu zu definieren – nicht nur als kulturelle, sondern als ökologische Offenheit gegenüber den Bedingungen des eigenen Lebensraums. Seine Analyse der Atmosphäre als Medium der Koexistenz und als Träger von Gefahren bietet einen philosophischen Rahmen, um die Dringlichkeit der Umweltkrise zu begreifen (Dutton, 2022). Die Sphären-Theorie liefert somit keine einfachen politischen Lösungen, aber sie schärft den Blick für die tiefen existenziellen und räumlichen Dimensionen der ökologischen Frage und macht deutlich, dass eine zukunftsfähige Politik immer auch eine bewusste Atmopolitik sein muss.
3.5 Urbane Schäume: Stadtentwicklung als Sphären-Architektur
Städte sind die physische Manifestation der gesellschaftlichen Koexistenz und damit ein primäres Anwendungsfeld für Sloterdijks Sphären-Theorie. Er selbst bezeichnet Architektur als eine Form der “expliziten Sphärenbildung”. In der Ära der Schäume lässt sich die moderne Metropole als ein komplexes, heterogenes und oft fragmentiertes Gebilde verstehen – eine “Schaumstadt” (Bluemink, 2021). Die traditionelle Idee der Stadt als einheitlicher, integrierter Organismus, ein urbaner “Globus”, weicht der Realität einer polyzentrischen Ansammlung von Quartieren, Subkulturen und Lebenswelten, die nebeneinander existieren, sich überlagern und durchdringen, aber nicht zwangsläufig eine kohärente Einheit bilden.
Diese Entwicklung wird durch die planetare Urbanisierung im Zeitalter der Globalisierung weiter vorangetrieben (Albertsen, 2025). Globale Migrations- und Mobilitätsströme führen zu einer permanenten Neuzusammensetzung der städtischen Bevölkerung und zur Entstehung von “Super-Diversität” (Saldanha, 2017). Die Stadt wird zu einem Mosaik aus unzähligen Blasen und Zellen: Gentrifizierte Innenstadtquartiere existieren neben ethnisch geprägten Enklaven, Gated Communities neben informellen Siedlungen. Jede dieser Zellen bildet eine eigene Atmosphäre, ein eigenes soziales Klima mit spezifischen Codes, Lebensstilen und Immunstrategien. Die Stadtentwicklung agiert in diesem Kontext als eine Form der Sphären-Architektur, die diese Prozesse steuert, fördert oder zu korrigieren versucht.
Sloterdijks Konzepte ermöglichen eine kritische Analyse der räumlichen und sozialen Logiken, die der modernen Stadtplanung zugrunde liegen. Architektur und Städtebau sind nicht neutrale technische Disziplinen, sondern Praktiken der Immunisierung und der Atmosphären-Gestaltung. Sie entscheiden darüber, wer inkludiert und wer exkludiert wird, welche Formen der Begegnung möglich sind und welche sozialen Gruppen voneinander getrennt werden. Sogenannte “feindselige Architekturen” (Hostile Architecture), wie Bänke, die das Liegen verhindern, oder die gezielte Verdrängung unerwünschter Personengruppen aus dem öffentlichen Raum, sind explizite Beispiele für eine Immunpolitik im urbanen Raum, die bestimmte Körper aus der geteilten Sphäre ausschließt (Aungst, 2021).
Gleichzeitig ist die Stadt auch der Ort, an dem intime Mikrosphären geschaffen werden. Architektur, so Sloterdijk, ist die Kunst der “Immersion”, die Räume artikuliert, in denen sich das Individuum “vollständig öffnen” kann (Sloterdijk, 2021). Die Wohnung, das private Haus, ist die primäre Blase, die Schutz vor der Komplexität und den Anforderungen der urbanen Außenwelt bietet. Das Leben in der Schaumstadt ist somit durch einen ständigen Wechsel zwischen dem Eintauchen in private, geschützte Blasen und dem Navigieren durch die vielfältigen, oft anonymen öffentlichen Räume des urbanen Schaums gekennzeichnet.
Die Herausforderung für eine nachhaltige und sozial gerechte Stadtentwicklung besteht darin, die unvermeidliche Fragmentierung der Schaumstadt so zu gestalten, dass sie nicht in eine totale Segregation mündet (Bluemink, 2021). Es geht darum, “atmosphärische Inseln” und Nischen für unterschiedliche Lebensformen zu ermöglichen, ohne die gemeinsamen Räume und die übergreifende städtische Identität aufzugeben. Die Sphären-Theorie bietet hierfür ein Vokabular, das es erlaubt, die Stadt nicht nur als Ansammlung von Gebäuden und Infrastrukturen zu betrachten, sondern als ein komplexes immunologisches und atmosphärisches Gefüge. Sie lenkt den Blick auf die Qualität der “Zwischen-Räume”, auf die Membranen zwischen den einzelnen Blasen und auf die Notwendigkeit, poröse und durchlässige Übergänge zu schaffen, die sowohl Schutz als auch Austausch ermöglichen. Die Stadt als gelebter Schaum ist somit ein permanentes Experiment der Koexistenz unter den Bedingungen der Pluralität und Fragmentierung.
4. Kritische Würdigung und Diskussion
Die Sphären-Trilogie von Peter Sloterdijk stellt zweifellos eines der ambitioniertesten und originellsten philosophischen Projekte der letzten Jahrzehnte dar. Mit ihrer umfassenden Analyse der menschlichen Existenz als einer inhärent räumlichen und immunologischen Verfasstheit bietet sie ein reichhaltiges Instrumentarium für die Diagnose der Gegenwart. Die vorangegangenen Kapitel haben gezeigt, wie sich Konzepte wie Blase, Globus und Schaum auf Phänomene wie Digitalisierung, Globalisierung, politische Krisen und die Umweltproblematik anwenden lassen. Eine abschließende Bewertung erfordert jedoch eine kritische Distanz, die sowohl die Stärken und das Erklärungspotenzial der Sphärologie würdigt als auch ihre kontroversen Aspekte und theoretischen blinden Flecken beleuchtet.
4.1 Stärken und Erklärungspotenzial der Sphärologie
Die herausragende Stärke von Sloterdijks Sphären-Theorie liegt in ihrer Fähigkeit, scheinbar disparate Phänomene unter einem einheitlichen konzeptionellen Dach zu verbinden. Indem sie den Fokus von klassischen soziologischen Kategorien wie Klasse oder Nation auf die fundamentaleren Modi des „In-der-Welt-Seins“ verschiebt, schafft sie neue interdisziplinäre Verbindungen zwischen Philosophie, Soziologie, politischer Theorie, Architektur und sogar der Psychologie. Der sphärologische Ansatz überwindet die traditionelle Trennung von Individuum und Gesellschaft, indem er zeigt, wie das Subjekt von Anbeginn in dyadischen, intimen „Blasen“ konstituiert wird und wie diese Mikrostrukturen mit den Makrostrukturen der „Globen“ und „Schäume“ in einem dynamischen Wechselverhältnis stehen.
Besonders fruchtbar erweist sich die Theorie bei der Analyse der postmodernen Verfasstheit westlicher Gesellschaften. Das Bild des „Schaums“ als Aggregat fragiler, ko-isolierter Lebenswelten liefert eine treffende Metapher für die soziale Fragmentierung im Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung. Es erklärt die Entstehung von Echokammern und Filterblasen im Internet nicht als bloßes technologisches Artefakt, sondern als Ausdruck eines tiefer liegenden anthropologischen Bedürfnisses nach immunologischem Schutz und atmosphärischer Kohärenz in einer zunehmend komplexen und unübersichtlichen Welt. Die Theorie ermöglicht es, die Paradoxie zu verstehen, warum eine Ära der Hyperkonnektivität gleichzeitig zu neuen Formen der sozialen Isolation führen kann.
Ein weiteres zentrales Verdienst ist die Re-Thematisierung des Raumes als eine explizit politische und existenzielle Kategorie. Mit Konzepten wie der „Atmopolitik“ macht Sloterdijk deutlich, dass Politik nicht nur die Verteilung von Gütern oder die Ausübung von Macht umfasst, sondern fundamental auch die Gestaltung und Regulierung von Lebensräumen und geteilten „Atmosphären“. Diese Perspektive ist insbesondere angesichts der globalen Umweltkrise von hoher Relevanz. Die Klimaerwärmung erscheint in diesem Licht nicht mehr nur als ein technisches oder ökonomisches Problem, sondern als eine fundamentale Krise der globalen Lufthülle, die das Überleben der Menschheit als Ganzes bedroht und eine neue Form der globalen „Ko-Immunität“ erfordert (Alagna, 2022). Sloterdijks Denken fordert dazu auf, die Bedingungen der „Atembarkeit“ – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne – ins Zentrum politischer Überlegungen zu stellen (Balen, 2021).
Darüber hinaus besitzt die Sphärologie ein hohes heuristisches Potenzial für die Analyse urbaner Entwicklungen. Die Metapher der „Schaumstädte“ hilft, moderne Metropolen als komplexe Ansammlungen unterschiedlicher sozialer, kultureller und ökonomischer Blasen zu begreifen, die zwar nebeneinander existieren, aber nur lose miteinander verbunden sind (Bluemink, 2021). Dieser Ansatz sensibilisiert für die architektonische und stadtplanerische Verantwortung, nicht nur funktionale Gebäude, sondern lebenswerte und integrative Sphären zu schaffen. Ungeachtet möglicher Kritik an seiner Methodik oder seinen politischen Schlussfolgerungen liefert Sloterdijks Arbeit somit zentrale Impulse für aktuelle Debatten und beweist seine Bedeutung als integraler Bestandteil des gegenwärtigen philosophischen Diskurses (Elden, 2012) (Schultz, 2020).
4.2 Kontroversen und blinde Flecken: Eine kritische Auseinandersetzung
Trotz ihres immensen Erklärungspotenzials ist die Sphären-Theorie nicht frei von Schwächen und hat zu erheblichen Kontroversen geführt. Eine der grundlegendsten kritischen Anfragen richtet sich gegen die Tendenz der Theorie, strukturelle Machtverhältnisse und sozioökonomische Ungleichheiten zu marginalisieren. Sloterdijks Fokus auf die phänomenologische und existenzielle Dimension der Sphärenbildung lässt die materiellen Bedingungen, die den Zugang zu und die Qualität von schützenden „Blasen“ oder privilegierten „Schaumzellen“ bestimmen, oft in den Hintergrund treten. Die Frage, wer die Macht hat, Sphären zu gestalten, wer aus ihnen ausgeschlossen wird und wie ökonomische und politische Macht die Architektur gesellschaftlicher Schäume prägt, wird nicht systematisch behandelt. Die Analyse bleibt oft auf einer beschreibenden Ebene, ohne die kausalen Zusammenhänge von Ungleichheit und räumlicher Segregation ausreichend zu durchdringen.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die politische Ambiguität von Sloterdijks Immunologie-Konzept. Während der Begriff der „Ko-Immunität“ progressiv für eine globale Solidarität angesichts gemeinsamer Bedrohungen wie der Klimakrise oder Pandemien gewendet werden kann (Weinfurter, 2023), birgt die Betonung von Abgrenzung und Schutz auch die Gefahr einer reaktionären Lesart. Die Rhetorik der Immunisierung kann leicht von politischen Kräften instrumentalisiert werden, die auf nationale Abschottung, kulturelle Homogenität und die Abwehr des „Fremden“ setzen. Kritiker werfen Sloterdijk vor, dass seine Analysen mitunter nicht klar genug herausarbeiten, warum unter bestimmten Umständen fürsorgliche Gefühle verkümmern, während hasserfüllte Emotionen gedeihen (Papastergiadis, 2017). Diese Ambiguität hat dazu geführt, dass sein Werk von verschiedenen politischen Lagern, einschließlich der Neuen Rechten in Deutschland, rezipiert und beansprucht wird (Salehi, 2023).
Des Weiteren wird die Universalität seines anthropologischen Ansatzes infrage gestellt. Die Sphären-Trilogie entwirft eine Genealogie des Menschen, die stark von einer westlichen, europäischen Perspektive geprägt ist. Ob die beschriebenen Entwicklungsstufen von Blase über Globus zu Schaum eine universelle Gültigkeit beanspruchen können oder ob sie nicht vielmehr eine spezifische Geschichte des okzidentalen Denkens nachzeichnen, bleibt diskussionswürdig. Die Theorie läuft Gefahr, nicht-westliche Formen der Vergemeinschaftung und Raumkonzeption zu übersehen oder unzureichend zu würdigen. Die Kritik am Solipsismus innerhalb der Sphären-Theorie deutet darauf hin, dass die radikale Andersheit des Anderen in der engen dyadischen Blase nur schwer einen Platz findet, was die Anwendbarkeit auf komplexe interkulturelle Kontexte einschränkt (Lucci, 2022).
Schließlich muss auch Sloterdijks oft polemischer und provokanter Stil kritisch betrachtet werden. Seine Neigung zu weitreichenden Generalisierungen, sein bisweilen herablassender Ton gegenüber Einwänden und seine kontroversen Interventionen in öffentliche Debatten, wie etwa seine Thesen im Essay „Regeln für den Menschenpark“, haben die Rezeption seines Werks erschwert und oft von den substanziellen philosophischen Inhalten abgelenkt (Courtemanche, 2015) (Hashemi, 2017). Die philosophische Analyse vermischt sich bei Sloterdijk häufig mit einer Form des Zeitgeist-Kommentars, was zwar seine Popularität steigert, aber auf Kosten analytischer Präzision und systematischer Strenge gehen kann. Slavoj Žižeks psychoanalytische Lesart von Sloterdijk deutet beispielsweise auf einen ideologischen Zynismus hin, der im Informationszeitalter Resonanz findet, aber auch kritisch hinterfragt werden muss (Gao, 2020). Auch die Frage, wie die politische Relevanz der Weltoffenheit jenseits einer Analyse von Privilegien gedacht werden kann, bleibt bei Sloterdijk oft unbeantwortet (Balen, 2021).
5. Schlussfolgerung
Die Sphären-Theorie von Peter Sloterdijk erweist sich als ein ebenso anregendes wie streitbares Diagnoseinstrument für die Gegenwartsgesellschaft. Ihre große Leistung besteht darin, die menschliche Existenz konsequent als eine räumliche und immunologische zu denken und damit einen innovativen Rahmen für das Verständnis von Intimität, Kollektivität und den fragmentierten Lebensformen der Postmoderne bereitzustellen. Die Metaphern der Blase, des Globus und des Schaums haben sich als äußerst produktiv erwiesen, um die komplexen Auswirkungen von Globalisierung, Digitalisierung und Urbanisierung auf das soziale Gefüge zu analysieren. Insbesondere die Konzentration auf die „atmosphärischen“ Bedingungen des Zusammenlebens eröffnet neue Perspektiven auf die drängenden politischen Herausforderungen unserer Zeit, von der sozialen Polarisierung bis zur globalen Umweltkrise.
Gleichzeitig offenbart eine kritische Würdigung signifikante Leerstellen und problematische Tendenzen in Sloterdijks Denken. Die Vernachlässigung struktureller Ungleichheiten, die politische Ambivalenz des Immunologie-Begriffs und eine bisweilen eurozentrische Perspektive schränken die Reichweite und analytische Schärfe der Theorie ein. Die Sphärologie beschreibt eindrücklich die Phänomenologie der Fragmentierung, versäumt es aber oft, deren sozioökonomische Ursachen mit der gleichen Tiefe zu analysieren. Sie diagnostiziert die Sehnsucht nach schützenden Hüllen, ohne immer klar zu benennen, welche politischen Konsequenzen sich aus der Errichtung dieser Immunsysteme ergeben.
Letztlich liegt die Relevanz von Sloterdijks Sphären-Theorie weniger in der Bereitstellung eines abgeschlossenen und widerspruchsfreien Systems als vielmehr in ihrem Potenzial, etablierte Denkgewohnheiten zu irritieren und den Blick für vernachlässigte Dimensionen des Sozialen zu schärfen. Sie zwingt uns, über die räumlichen Voraussetzungen unserer Existenz nachzudenken und zu fragen, in welchen „Sphären“ wir leben, wie diese konstruiert sind und wer die Macht hat, sie zu gestalten.
Die Analyse der Gegenwartsgesellschaft im Lichte der Sphärologie führt zu dem Schluss, dass die zentrale Herausforderung im „Zeitalter der Schäume“ darin besteht, eine Balance zwischen legitimen Bedürfnissen nach immunologischem Schutz und der Notwendigkeit offener, durchlässiger und gerechter Formen der Koexistenz zu finden. Es gilt, die Vereinzelung in isolierten Blasen zu überwinden, ohne in die totalisierenden Ansprüche überholter Globen zurückzufallen. Die Aufgabe besteht darin, neue Modi der „Ko-Immunität“ zu entwickeln, die auf geteilter Verantwortung und globaler Solidarität basieren, anstatt auf Ausgrenzung und Abwehr. Peter Sloterdijks Werk liefert für diese Aufgabe keine einfachen Antworten, aber es stellt auf eindringliche Weise die richtigen Fragen. Es ist und bleibt ein unverzichtbarer, wenngleich unbequemer Referenzpunkt für jede ernsthafte Auseinandersetzung mit der Verfasstheit der modernen Welt. Zukünftige Forschung wird die Aufgabe haben, die analytischen Werkzeuge der Sphärologie kritisch weiterzuentwickeln und sie gezielt mit soziologischen und machttheoretischen Ansätzen zu verbinden, um die blinden Flecken der Theorie auszuleuchten und ihr kritisches Potenzial für eine gerechtere Gestaltung unserer gemeinsamen Lebenswelten voll auszuschöpfen.
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