Eine Kurzgeschichte aus dem Hotel Krasicki
By RESA Photography – aus der Reihe ROAR! 🎃
Die Uhren im gotischen Turm der Bischofsburg schlugen Mitternacht, als der Chefkoch die letzte Schicht in der Küche des Hotel Krasicki beendet. Dieses Hotel wird, nebenbei bemerkt, von dem wunderbaren Pieter Oosthuizen als Direktor geführt und sucht seinesgleichen. Seit drei Jahren arbeitet auch der Chef hier, in diesen historischen Gemäuern, wo einst Nikolaus Kopernikus die Sterne studierte und Bischöfe über das Schicksal des Ermlands entschieden.

Der Chefkoch war stolz auf seine Arbeit. Die ermländische Küche neu zu interpretieren, und zwar ohne ihre Seele zu verlieren – das war seine Mission. Doch heute Abend war etwas irgendwie anders. Als er die letzten Wildschweingulasch-Portionen für die Hotelgäste zubereitete, hatte er das seltsame Gefühl, dass ihm jemand über die Schulter blickte.
“Du bildest dir Dinge ein”, murmelte er zu sich selbst und wischte die Arbeitsfläche sauber. Der iCombi Classic von RATIONAL summte leise vor sich hin – sein allertreuester Begleiter in der Küche. Seit Jahren verließ er sich auf die deutsche Präzision dieses Geräts. Dämpfen, braten, garen – immer auf den Punkt genau.
Da waren sie wieder – Schritte im Gang. Unmöglich, war das Hotel doch um diese Zeit verschlossen, und die Nachtwächter machten sich erst jetzt daran ihre Runden zu drehen.
“Hallo?”, rief der Chef ins Dunkel. Keine Antwort. Nur das leise Summen seiner Küchengeräte und das Flüstern der Windbraut, die um die alten Mauern tanzte. Er ging zur Küchentür und spähte hinaus in den Gang. Die rauhen Steinwände warfen Schatten, die im schwachen Licht der Notbeleuchtung wie lebendige Gestalten wirkten. Er war nicht abergläubisch, aber in dieser Burg fand sich die Geschichte von 700 Jahren. Als er sich umdrehte, um in die Küche zurückzugehen, bemerkte er etwas Seltsames. Der iCombi Classic war noch immer an, obwohl er ihn doch ausgeschaltet hatte. Das Display zeigte eine Temperatur von 180°C und eine Garzeit von 45 Minuten – perfekt für das traditionelle ermländische Roggenbrot, das seine Großmutter früher gebacken hatte. “Das ist unmöglich”, flüsterte er zu sich selbst. Er hatte dieses Rezept seit Jahren nicht mehr verwendet. Es war zu zeitaufwendig für den Hotelbetrieb. Doch da war noch etwas anderes. Ein Duft lag plötzlich in der Luft – der warme, erdige Geruch von frisch gebackenem Roggenbrot, gemischt mit Kümmel und einem Hauch von Honig. Genau wie damals bei seiner Großmutter. Er näherte sich vorsichtig dem iCombi Classic. Das Gerät arbeitete mit der gewohnten Präzision, aber die Einstellungen hatte er so noch nie eingegeben. Die kannte er in der Kombination gar nicht. Es war, als hätte jemand anderes – oder etwas anderes – die Kontrolle übernommen.
Er öffnete die Tür des Geräts. Tatsächlich – dort lag ein perfekt gebackener Brotlaib, goldbraun und duftend. Unmöglich, aber er war real. “Großmutter?”, flüsterte er in die Stille. In diesem Moment verstand der Chef die Botschaft. Die alten Mauern der Bischofsburg standen nicht nur für eine steingewordene Historie – sie bewahrten Erinnerungen, Traditionen und die Seele der ermländischen Küche auf. Und manchmal, in den stillen Stunden der Nacht, wenn moderne Technik vom Geist der Jahrhunderte umweht wurde, geschah ein kleines Wunder.
Der iCombi Classic summte zufrieden vor sich hin, als hätte er gerade seinen wichtigsten Auftrag erfüllt – nicht nur zu kochen, sondern Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden. Der Chef lächelte zufrieden und schnitt sich eine Scheibe von dem warmen Brot ab. Es schmeckte köstlich, wie in seiner Kindheit. Morgen würde er dieses Brot als Beilage auf die Karte setzen. Die Gäste des Hotel Krasicki sollten nicht nur in historischen Gemäuern nächtigen – sie sollten auch die Seele des Ermlands schmecken.

Als er gegen Morgengrauen das Hotel verließ, warf er einen letzten Blick zurück auf die gotischen Türme. Irgendwo dort oben, in den alten Gemächern, wo einst Kopernikus die Geheimnisse des Universums erforschte, gab es noch viel mehr das dort seiner Wiederentdeckung harrte. Und in der Küche, zwischen den modernen Geräten von RATIONAL umgeben von jahrhundertealten Mauern, sorgte diese Symbiose aus Tradition und neuer Technologie dafür, dass diese Geheimnisse jeden Tag aufs Neue zum Leben erweckt wurden.
Diese Geschichte entstand anläßlich meines Besuchs im Hotel Krasicki in Lidzbark Warmiński, wo moderne RATIONAL-Technik und ermländische Küchentradition eine einzigartige Verbindung eingehen.
Das Hotel gehört zur Grupa Anders, einer polnischen Hotelkette, die sich auf die Revitalisierung historischer Objekte in Ermland-Masuren spezialisiert hat.
– Happy Halloween, Eure Resa. 🎃
English Version
The Spectres of Times Past and the Precision of the Present
The clocks in the gothic tower of the old Bishop’s Castle struck midnight, each chime falling like a pronouncement upon the deep silence of the Warmian night. Down below, in the kitchens of the Hotel Krasicki, the esteemed Head Chef was concluding his final duties.
For three years, he had been the master of this culinary domain, a man of precision and pride, working within the very walls where, centuries ago, Nicolaus Copernicus had once charted the heavens and bishops had decreed the fates of men. The Chef’s own mission, though less celestial, was no less ambitious: to reinterpret the region’s traditional cuisine without sacrificing its soul.
Yet, something on this particular evening was decidedly amiss. As he plated the last of the wild boar goulash, a curious sensation prickled at the back of his neck—the distinct and unnerving feeling of being watched.
“You are imagining things, old man,” he muttered to himself, the words swallowed by the cavernous kitchen. He wiped down the last of the stainless-steel surfaces. The iCombi Classic, a marvel of German engineering from RATIONAL, hummed its quiet, reassuring tune. It was his most steadfast companion in this solitary world, a paragon of precision he had relied upon for years. Steaming, roasting, baking—it never failed to perform its task to perfection.
Then he heard it. A distinct sound of footsteps in the corridor. Impossible. The hotel was locked and shuttered for the night; the night watchman was only now beginning his rounds.
“Hello?” the Chef called out, his voice sharp in the darkness.
There was no reply. Only the low thrum of his machinery and the mournful whisper of the wind as it swept around the ancient battlements. He moved to the kitchen door, peering into the long, stone-flagged corridor. The rough-hewn walls threw long, dancing shadows in the faint glow of the emergency lighting, making them appear for all the world like spectral figures. He was not a superstitious man, but one could not work in a place steeped in seven hundred years of history without feeling its weight.
Turning back, he noticed something that made him stop dead. The iCombi Classic was still operating. He was certain, absolutely certain, he had switched it off. The display glowed with an arcane set of instructions: a temperature of 180°C and a cooking time of forty-five minutes. It was the precise setting for the traditional Warmian rye bread his grandmother had used to bake.
“It cannot be,” he whispered, his breath catching in his throat.
He had not used that recipe in years; it was far too time-consuming for the demands of a modern hotel. But there was something else, something that defied all logic. A scent now filled the air—the warm, earthy aroma of freshly baked rye, mingled with caraway and the faintest hint of honey. It was the scent of his childhood.
He approached the machine cautiously, as one might approach a sleeping animal. The iCombi was working with its usual flawless efficiency, yet he had never programmed this particular sequence of commands. It was as if another hand—or perhaps, another presence—had taken control.
With a trembling hand, he opened the oven door. And there it was. A perfect, golden-brown loaf, its fragrance billowing out to greet him. It was impossible, and yet, undeniably real.
“Grandmother?” he murmured into the stillness, the name a half-forgotten prayer on his lips.
In that singular moment, the Chef understood. The ancient walls of the Bishop’s Castle did not merely stand as a monument to history; they were custodians of memory, of tradition, of the very soul of Warmian cuisine. And sometimes, in the quietest hours of the night, when the marvels of modern technology were touched by the spirit of the centuries, a small miracle might occur.
The iCombi Classic hummed contentedly, as if it had just fulfilled its most vital purpose—not merely to cook, but to unite the past with the present. A slow smile spread across the Chef’s face. He took a knife and cut a slice from the warm loaf. The taste was exquisite, a perfect echo of a time long since passed.
– Happy Halloween, Resa. 🎃
